Felix Brandenberger über seine Zeit in der Asga Geschäftsleitung

Felix Brandenberger war 15 Jahre lang Mitglied der Geschäftsleitung der Asga und war verantwortlich für den Bereich Marktentwicklung. Ende August ist er aus der Geschäftsleitung ausgetreten. Bis zu seiner Pensionierung Ende Jahr steht er der Asga noch für verschiedene Aufgaben zur Verfügung. Aus diesem besonderen Anlass wollten wir von ihm wissen, wie sich die Asga in dieser Zeit entwickelt hat, welche Veränderungen er mitprägte und worauf er sich freut, wenn er Ende des Jahres pensioniert wird.

Was hat sich bei der Asga während deiner Zeit am meisten verändert?

Spannenderweise lautet meine Antwort: Gleichzeitig sehr viel – und trotzdem erstaunlich wenig!

Beim Nachdenken über diese Frage ist mir vor allem eines bewusst geworden: Im Kern hat sich die Asga eigentlich erstaunlich wenig verändert. Bereits damals wurden die genossenschaftlichen Werte mit grosser Überzeugung gelebt. Pflichtbewusstsein, Verantwortung und Vertrauen gegenüber unseren Versicherten waren schon damals zentrale Bestandteile unseres Handelns – und sind es bis heute. Diese Werte haben sich über die Jahre zu einer echten Asga DNA entwickelt.

Rundherum hat sich allerdings enorm viel getan. Als ich 2011 gestartet bin, zählte die Asga rund 50 Mitarbeitende und betreute etwa 73’000 Versicherte. Heute engagieren sich mehr als 180 Kolleginnen und Kollegen für rund 190’000 Versicherte. Dieses Wachstum hat vieles verändert: Die Organisation ist grösser geworden, die Prozesse professioneller und die Digitalisierung hat unserem Arbeitsalltag zusätzlichen Schub verliehen. Manche Abläufe, die damals selbstverständlich waren, würden heute vermutlich für ungläubiges Schmunzeln sorgen.

Die für mich spürbarste Veränderung fand jedoch in der Führungskultur statt. In meinen ersten Jahren wurde die Asga von Marcel Berlinger geführt – einem Grand Monsieur alter Schule. Er verkörperte einen klassischen, patriarchalischen Führungsstil mit klaren Hierarchien und kurzen Entscheidungswegen. Eine Begebenheit ist mir bis heute besonders in Erinnerung geblieben: Jede einzelne Postsendung, die bei der Asga einging, landete zuerst auf seinem Schreibtisch. Das wirkt aus heutiger Sicht fast schon nostalgisch, war damals aber gelebter Führungsalltag. Gleichzeitig war Marcel Berlinger ein Geschäftsführer, der sich mit grossem Engagement um seine Mitarbeitenden kümmerte, ihre Anliegen ernst nahm und Verantwortung für sie übernahm – ganz im Sinne eines Familienoberhaupts.

Mit seinem Nachfolger Sergio Bortolin entwickelte sich die Führungskultur weiter. Die Verantwortung wurde schrittweise dorthin verlagert, wo sie am wirkungsvollsten wahrgenommen werden kann: zu den Führungskräften und Mitarbeitenden. Der Führungsstil wurde kooperativer, die Zusammenarbeit partnerschaftlicher und die Organisation insgesamt agiler. Diese Entwicklung hat die Organisation grundsätzlich moderner und dynamischer gemacht.

Eines ist in all den Jahren jedoch gleich geblieben – und das freut mich besonders: der familiäre Umgang innerhalb der Asga. Trotz des starken Wachstums ist es gelungen, diese Kultur zu bewahren. Genau das macht die Asga für mich aus – ein Unternehmen, das sich weiterentwickelt, ohne seine Wurzeln aus den Augen zu verlieren.

Wie hast du die Entwicklung der Asga als Mitglied der Geschäftsleitung mitgeprägt?

Als Mitglied einer Geschäftsleitung trägt man nie alleine zum Erfolg eines Unternehmens bei. Entscheidend ist das Zusammenspiel im Führungsteam. Jeder bringt seine Erfahrungen, seine Überzeugungen und manchmal auch kritische Fragen ein. Genau darin sehe ich meine Rolle: Verantwortung übernehmen, Diskussionen mitgestalten und gemeinsam Lösungen entwickeln, die die Asga im Einklang mit Vision, Mission und Strategie langfristig weiterbringt.

Rückblickend ist es sicherlich eine grosse Genugtuung festzustellen, dass wir die Asga in den vergangenen 15 Jahren durch wirtschaftlich und politisch anspruchsvolle Zeiten geführt haben, ohne dabei unsere langfristige Ausrichtung aus den Augen zu verlieren. Als ich 2011 zur Asga stiess, waren die Auswirkungen der globalen Finanzkrise aus den Jahren 2007/08 noch deutlich spürbar. Hinzu kamen die europäische Staatsschuldenkrise, die langjährige Tiefzinsphase und zahlreiche regulatorische Veränderungen. Gerade in solchen Phasen zeigt sich, wie wichtig eine klare Strategie, eine solide finanzielle Basis und ein gemeinsames Führungsverständnis sind.

Eine der prägendsten strategischen Entscheidungen war für mich die Einführung des umhüllenden Umwandlungssatzes. Ich gebe offen zu, dass ich diesem Schritt zunächst skeptisch gegenüberstand. Umso wertvoller war die intensive Diskussion innerhalb der Geschäftsleitung und mit dem Verwaltungsrat. Sie hat mir einmal mehr gezeigt, dass gute Entscheidungen nicht davon leben, möglichst schnell getroffen zu werden, sondern unterschiedliche Sichtweisen sorgfältig abzuwägen. Heute bin ich überzeugt, dass dieser Entscheid für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit der Asga zum richtigen Zeitpunkt und in der richtigen Konsequenz notwendig war.

Mein persönlicher Schwerpunkt lag während all dieser Jahre in der Verantwortung für die Frontorganisation. Besonders am Herzen lag mir dabei der Aufbau einer professionellen und strategisch verankerten Zusammenarbeit mit Versicherungsbrokern. Aus meiner früheren Tätigkeit wusste ich, wie wichtig ein hoher Umhüllungsgrad für die langfristige Stabilität einer Pensionskasse ist. Deshalb haben wir 2012 die Brokerstrategie lanciert – ein Entscheid, der sich nachhaltig ausbezahlt hat. Dass der Umhüllungsgrad heute von etwas gegen 60 % auf über 90 % gesteigert werden konnte, bestätigt diesen Weg eindrücklich.

Wenn ich auf meine Zeit zurückblicke, sind es aber weniger einzelne Projekte oder Kennzahlen, die mir in Erinnerung bleiben. Vielmehr erfüllt es mich mit Freude, gemeinsam mit engagierten Kolleginnen und Kollegen die Entwicklung der Asga mitgestaltet zu haben. Erfolg entsteht nie durch Einzelpersonen. Er entsteht durch Vertrauen, Offenheit und die Bereitschaft, Verantwortung gemeinsam zu tragen. Genau das hat unsere Zusammenarbeit in der Geschäftsleitung während all der Jahre ausgezeichnet.

Welche Pläne hast du für die Zeit nach deiner Pensionierung?

Das ist wahrscheinlich die schwierigste Frage des ganzen Interviews. Denn ehrlich gesagt habe ich keine detaillierten Pläne – und genau das gefällt mir. Nach vielen Jahren mit einem gut gefüllten Terminkalender möchte ich künftig nach dem Grundsatz leben: nur noch das zu tun, was ich will, und nicht mehr das, was ich muss.

Natürlich gibt es Dinge, auf die ich mich besonders freue. Ganz oben auf der Liste steht, mir mehr Zeit für mein Hobby, den Golfsport, zu nehmen. Ausserdem möchte ich einen lang gehegten Wunsch verwirklichen und Andalusien intensiver entdecken. Städte wie Malaga, Sevilla, Cordoba, Granada oder Cadiz faszinieren mich schon lange. Diese Region ohne Zeitdruck kennenzulernen, ist etwas, worauf ich mich wirklich freue.